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3.0 Einleitung-Lebensphasen
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Die 7 Lebensphasen und was mit AD(H)S anders ist

In diesem Beitrag stehen die 7 Lebensphasen im Mittelpunkt, und was mit AD(H)S jeweils anders ist:

Bild: 7 Lebensphasen
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Die 7 Lebensphasen und was mit AD(H)S anders ist
3.1 Babys+Kleinkinder
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Babys und Kleinkinder

Prof. Dr. Dr. Tobias Banaschewski, stellvertretender Direktor des ZI bei uns in Mannheim sagte neulich in einem Interview:

„Die Diagnose kann vor dem Alter von drei Jahren nicht sicher gestellt werden, denn davor ist die Variabilität des Verhaltens einfach zu groß.“

...trotzdem möchte ich hier von einigen Auffälligkeiten berichten, die mir Eltern rückblickend schildern, deren Kinder später die Diagnose gestellt bekamen:

"Als Säugling war unser Kind sehr unruhig, schrei oft und lange und wirkte gegenüber uns und den Geschwistern ziemlich ablehnend."

"Er hatte einen grossen Bewegungsdrang."

"Das Trinken war für mich sehr gewöhnungsbedürftig, weil sie voller Gier trank und dann alles wieder rausspuckte."

"Auffallend war die häufig schwitzige Haut und dem zu Folge nasse Wäsche. Später erfuhren wir, dass dies bei ADHS betroffenen Babys normal ist und aus einem erhöhten Stoffwechsel reseultiert."

"Wir hatten den Eindruck, dass mehrer optische und akustische Reize auf einmal unseren Sohn schnell stressten."

Der Fachausdruck „regulationsgestörte Kinder“ meint Angst und Unruhe bei Änderungen im Tagesablauf. Deshalb sind Rituale und Routine für betroffene Kinder so elementar wichtig!

Alle Eltern die ich bisher gesprochen habe berichten, dass ihre Kinder früher zu laufen begannen als andere Gleichaltrige und die KrabbelPhase extrem kurz, oder komplett übersprungen wurde.

Aber wie überall gibt es auch beim ADHS die andere Seite der Medaille, (ADS) den Träumer: Der Träumer wirkt zwar pflegeleicht, ruhig, zufrieden und schmusig - ist in Wirklichkeit aber geistesabwesend mit unzureichender Wachheit und mangelnder Aktionsbereitschaft.


Kleinkinder:

Sie können beim Spielen komplett abtauchen und blenden dabei alles andere ums sich herum aus.

Verunfallen häufiger, aber nur weil sie etwa 7 Mal länger bzw. häufiger brauchen, um etwas zu lernen.

Reden ständig und das mit hoher Ausdauer.

Erfinden gerne mal (Lügen-) Geschichten, aber halten diese selbst für wahr und real.

Stürzen sich auf ein Lebensmittel und dann nur dieses. Beispiel: Nutella morgens-mittags-abends. Oder das andere Extrem: Alles passt zusammen - bis zu Vanillepudding mit sauren Gurken. Es lassen sich auch alle Speisen mit Ketchup oder/und Apfelmus verfeinern. Und, das Essen will "begriffen" werden - zumindest doch mit dem Finger auf die Kabel schieben.


Bitte bedenken Sie...

wenn ich hier diese Verhaltensweisen beschreibe, und Sie sehen 1, 2 oder auch alle bei Ihrem Kind, heisst das noch lange nicht, dass Ihr Kind ein ADHS hat!

Mein Anliegen ist es viel mehr, dass Sie das WARUM Ihres Kindes verstehen, akzeptieren und lieben lernen:

  • WARUM kann Ihr Kind, wenn sich später tatsächlich ein ADHS herausstellen sollte,  selbst vergessen spielen?

Vielleicht, weil es seine Art und Weise ist, zu lernen oder etwas Geniales hervorzubringen.

  • WARUM passiert Ihrem Kind der gleiche Unfall (scheinbar) immer wieder?

Vielleicht, damit Sie schon früh genau diese Spannung in sich selbst lernen auszuhalten, bzw. Möglichkeiten finden,

mit genau diesem inneren Ärger darüber, dass Andere anders sind als ich, (wer kennt den nicht) besser zurecht zu kommen.

  • WARUM redet Ihr Kind so gerne und vor allem ständig.

Vielleicht versteckt sich irgendwo zwischen diesem nicht enden wollenden Wortschwall eine Bitte, die da sagt: Bitte Mama oder Papa, zeige mir, wie Du damit bei mir umgehst, weil ich möchte später einmal wissen, wie ich bei meinen eigenen Kindern gut damit umgehen kann.

Das ist wahrscheinlich etwas sehr weit hergeholt, aber ich möchte Sie ermutigen, für sich und Ihre Familie bewusst ein „unsichtbares strategisches Netzwerk“ zur Bewältigung des Alltags zu erschaffen - und dafür ist es hilfreich, sich regelmässig einen MetaBlickwinkel zu verschaffen:

Lesen Sie Bücher und Artikel, besuchen Sie Vorträge und Selbsthilfegruppen, holen Sie sich jede erdenkliche Unterstützung an Bord, z.B. Eltern-Kind-Einzeltrainings und GruppenSchulungen, und halten Sie Ausschau nach einer Person der Sie vertrauen und die bereit ist, Sie über 5 Jahre und länger zu begleiten.

Wenn Sie sich einig sind Sie wollen Unterstützung es aber niemanden gibt, holen Sie sich einen ADHS-Coach ins Haus. Auch wenn es nur 3 oder 4 Mal im Jahr ist, vielleicht 600,- oder 700,- € kostet, ist das sicherlich eine lohnende Investition im Hinblick auf die positive Wirkung von Erfolgserlebnissen Ihres Kindes.

  • WARUM sind meine Geschichten Lügen? - ich hab`s doch gesehen!

Vielleicht möchte Ihr Kind herausfinden was Sie glauben: Sagen Sie ihm was Sie glauben was wahr ist, und - was aus Ihrer Sicht nicht wahr ist.

  • WARUM Nutella morgens/mittags/abends?

Wenn Ihr Kind einmal sein eigenes Geld verdient ok, aber bis dahin denke ich, liegt es bei Ihnen was auf dem Tisch steht, oder?

Ich hoffe, ich konnte Sie ein wenig inspirieren und das eine oder andere Fragezeichen im Kopf zu Babys und Kleinkindern im Zusammenhang mit ADHS in ein Ach-so verwandeln.

Ihr Apoll Netz


3.2 Kinder
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 kinder

Die Phase in der Auffälligkeiten häufig erstmals wirklich ernstgenommen werden, sind die ersten Schuljahre.

Und bis dahin wünsche ich Ihnen, dass Sie über starkes „strategisches Netzwerk“ verfügen, weil spätestens in der Schule sind Sie, aber auch die ausser häusliche Umgebung Ihres Kindes darauf angewiesen.

AD(H)S-Kinder und Jugendliche werden in der Schulzeit bestenfalls mit Verhaltenstherapien behandelt, die darauf abzielen, das Konzentrationsvermögen zu erhöhen und die motorischen Probleme in den Griff zu bekommen.

Eine Medikation halte ich persönlich nur angebracht, um eine Verhaltenstherapie zu unterstützen.

Denn in der Praxis ist eine Therapie nicht selten erst durch die unterstützende Wirkung von Medikamenten möglich.

Schulkinder sind mit Aufgaben die eine hohe Planungskompetenz und hohe Eigenständigkeit erfordern häufig überfordert.

Sie werden wegen missverständlichen Verhaltensweisen ständig falsch verstanden, aber verstehen selbst nicht, was sie schon wieder falsch gemacht haben könnten.

Um genau Ihr "Übersetzungentalent" geht es - welche Sie die letzten 6/7 Jahre erworben haben, weil auf dieses ist Ihr Kind jetzt die nächsten 7 Jahre angewiesen - damit die Schulzeit ein Hauch von Chance auf Erfolg für Ihr Kind bekommt und nicht von einer Katastrophe in die Nächste führt - mit Katastrophe meine ich Misserfolgserlebnisse.

Bei Schulkindern führen diese Probleme auch zu großer Belastung innerhalb der Familie. "Hausaufgabendramen" werden leicht zum Tages-Mittelpunkt. Agressionen und Selbstwertprobleme nehmen zu.

Kraft dosieren / innehalten geht gar nicht. Die Türen knallen, auch wenn leise schließen beabsichtigt ist.

Oberflächlicher Problemlösungsstil: Klassenkameraden werden gerne mal freundschaftlich „gestupst“.

Als Baby erhöhter Bewegungsdrang - jetzt Stifte und Radiergummi zer-beißend.

Ihr Kind braucht kleine Schritte, knappe Arbeitsanweisungen und eindeutige Regeln, und das extrem ausdauernd, weil Automatisieren dauert 6-8 länger, bzw. öfter.

Die gemachte Erfahrung, mit Lernen nicht zum Ziel zu kommen, blockiert dauerhaft und eine geringe Stresstoleranz tut ihr übriges.

Hier können Brett- und Kartenspiele hilfreich sein, um Abläufe zu automatisieren.

Ich hoffe, ich konnte Sie ein wenig inspirieren. Das Video zu den AD(H)S bei Jugendlichen finden Sie demnächst hier.

Ihr Apoll Netz


 

3.3 Jugendliche
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 Jugendliche

Pubertät gleich Superpubertät-Alles extrem…

Stimmungsschwankungen, dass einem schwindelig wird. Kritikempfindlichkeit, dass es einem die Sprache verschlagen kann. Starrköpfig wie ein Panzer und gleichsam beeinflussbar und aufnahmebereit wie ein Schwamm. Liebe Jugendliche: "Nicht jeder spannende Mensch ist auch ein guter, bzw. gut tuender Freund!"

Körperlich kleine Männer und Frauen, in der Reife von Grundschulkindern - Verschobene Selbstwahrnehmung - Überschätzung, häufiger aber Unterstützung von sich selbst...

Nicht funktionierende Perspektivenwechsel - Fühlt sich  benachteiligt und gleichzeitig überfordert - Mogeln, lügen, tricksen, gekonnt wie Teppichhändler...

  • Bei Lob: „…hab` halt Glück gehabt.“
  • Bei Kritik oder Tadel: „…das bin nicht ich, sondern die Umstände.“

Unter Medikation werden Perspektivenwechsel leichter und die eigene Lage wird erstmalig einschätzbar, was aber auch Depressionen begünstigen kann.

Junge Erwachsene in Ausbildung und Studium erleben häufig, dass sie ihren Alltag ganz gut in den Griff bekommen, wenn sie das für sich richtige gefunden haben und die Umwelt, d.h. Eltern, Partner und Ausbilder mitspielen.

Fazit: Junge Erwachsene brauchen ein unterstützendes Umfeld: Eltern, Lehrer, Ausbilder - dann ist alles nur halb so schlimm.


 

3.4 Erwachsene (25-35)
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Erwachsene (25-35)

Mit etwa 25-35 gelingt es den allermeisten Betroffenen ihre Konzentrationsschwäche durch erhöhte Motivation und Einsatzbereitschaft in Familie und Beruf zunächst gut zu kompensieren.


3.5 Erwachsene (35-55)
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Erwachsene (35-55)

Bei Menschen mit AD(H)S zwischen 35-55 zeigen sich vermehrt Probleme in Beziehungen und auf der Arbeit.

Ohne professionelle Unterstützung drohen in dieser Lebensphase Scheidung und Kündigung - wenn es ihnen nicht gelingt ein extrem tragfähiges soziales Umfeld zu schaffen.

Hierbei können Verhaltenstherapie und AD(H)S spezifisches Coaching sehr nützlich und hilfreich sein, dieses aufrechtzuerhalten.


3.6 Erwachsene (55-75)
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Erwachsene (55-75)

Von Menschen mit AD(H)S zwischen 55-75 hört man wiederum eher wenig.

Das mag daran liegen, dass wenn sie es bis hier geschafft haben - und das sage ich nicht aus Witz, weil, statistisch gesehen liegt die Selbsttötungsrate bei Menschen mit AD(H)S höher als ohne AD(H)S - sie eher wieder in einer Phase des Gelingens sind - ähnlich der Phase 25-35 - und sie selbst und Andere sich mit ihren Besonderheiten angefreundet, oder zumindest arrangieren.


3.7 Erwachsene (75+)
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Erwachsene (75+)

In Alten- und Pflegeheimen - zuhause nur wenn sie sehr gut integriert sind - tritt im letzten Lebensabschnitt 70+ gerne die motorische Unruhe, ähnlich übrigens wie bei Kindern, wieder in den Vordergrund.

Alte Menschen mit AD(H)S können sich wirklich glücklich schätzen, wenn Sie Angehörige und Pflegepersonal um sich haben, die entsprechend geschult sind und wissen warum sie permanent und nervös durch die Räume schleichen müssen.


3.8 Zusammenfassung
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Erwachsene (Zusammen-fassung)

Ich fasse die erwachsenen Lebensphasen noch einmal zusammen:

  • 25-35-Jährige können i.d.R. gut kompensieren - sprechen Sie ihnen Ihre Anerkennung aus!
  • 35-55-jährige brauchen erfahrungsgemäß professionelle Unterstützung in mind. 1 Bereich: Partnerschaft/Beziehungen/Beruf/Karriere/Finanzen/Works-Life-Balance - kümmern Sie sich rechtzeitig um professionelle Unterstützung, und nicht erst wenn alles zu spät ist!
  • 55-75-jährige sind tendenziell gelassener mit sich und ihrer Umgebung - bevor es ab etwa 75 wegen den normalen Verhaltensweisen im Alter, wie motorischen Unruhe, einer Mischung aus Nervosität und Orientierungslosigkeit extrem schwierig werden kann.
  • Alte Menschen neigen i.d.R. festgefahren und störrisch zu sind - was durch das AD(H)S bedingt, zu extremen Belastungen für Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung werden kann. Personen ohne eine spezielle Ausbildung sind diesen Herausforderungen kaum gewachsen sind.

Ich hoffe, ich konnte Sie ein wenig inspirieren und das eine oder andere Fragezeichen im Kopf in ein Ach-so verwandeln.

Ihr Apoll Netz


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